Freitag 24. November 2017
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Ökologie & Globale Gerechtigkeit

"Iss was Gscheits" - Nudelprojekt

Unser Jahresthema für das Kindergartenjahr 2012/2013 lautete „Gesundheit und Bewegung“. Ein wesentlicher Aspekt der Gesundheit – unserer eigenen körperlichen Gesundheit sowie der Gesundheit unserer Umwelt und unserer Mitgeschöpfe – hängt mit unserer Ernährung zusammen. In diesem Kindergartenjahr haben wir begonnen, in unserem selbst gebauten Hochbeet Biogemüse anzubauen und wir haben die gesunde Jause eingeführt. Um einen geringen finanziellen Beitrag der Eltern stehen den Kindern täglich frisches Bioobst und Gemüse, Natur- und Fruchtjoghurt sowie Bioapfelsaft zur Verfügung. Nach einer Eingewöhnungsphase können wir sagen, dass mittlerweile alle Kinder zumindest einen Teil des Angebotes nützen.
An einem speziellen Beispiel wollten wir den Kindern aber mit allen Sinnen gesunde und nachhaltige Ernährung schmackhaft machen.
In unserer Einrichtung ist es seit einigen Jahren üblich, Ende Mai ein Familienfest zu feiern, bei dem die Eltern ein Geschenk von ihren Kindern erhalten. In diesem Jahr wollten wir mit den Kindern für diesen Zweck selbst Nudeln erzeugen.
Über unser Nudelprojekt wollten wir den Kindern am Beispiel der Nudeln – die ja alle Kinder gerne essen - vermitteln, was zu einer gesunden Ernährung dazu gehört und wie dieses Nahrungsmittel nachhaltig erzeugt werden kann. Für die Erzeugung benötigten wir Eier und Mehl.
Als ersten Schritt gab es in der Vorbereitungszeit auf Ostern den Themenschwerpunkt „Eier von glücklichen Hühnern“. Die Kinder lernten die Entwicklung vom Ei zum Huhn kennen und wir überlegten mit ihnen, wie Hühner gerne leben möchten, was es braucht, damit sie sich wohlfühlen, was sie fressen und welchen Nutzen Menschen von der Hühnerhaltung haben. Die Kinder sollten ja verstehen, warum für unser Nudelprojekt nur Biofreilandeier in Frage kommen.
Das Mehl für unsere Nudeln wollten wir auch selber machen. Also wurde mit Hilfe der Kinder Biodinkel in der Getreidemühle vermahlen. Mit einem Sieb wurden die ganz groben Teile der Kleie ausgesiebt und wir konnten mit den Kindern besprechen, das uns nicht nur die Stärke im Mehl Kraft gibt, sondern vor allem auch in der Kleie, die im Vollkornmehl erhalten bleibt, Mineralstoffe, Spurenelemente und Ballaststoffe enthalten sind. Der ausgesiebte Kleieanteil fand jetzt Verwendung bei der „Gesunden Jause“, wo er ins Joghurt eingerührt wurde, die feineren Anteile blieben im Mehl erhalten.
Nun begann aber erst die eigentliche Arbeit: Über einige Wochen wurde immer wieder ein frischer Teig aus Biofreilandeiern und Dinkelvollkornmehl geknetet. Dieser musste dann ein bisschen rasten, um schließlich ausgewalkt und durch die Nudelmaschine gedreht zu werden. Bei allen Arbeitsschritten waren die Kinder eingebunden, am Anfang brauchte es natürlich noch Unterstützung und Anleitung, aber gegen Schluss des Projektes konnten viele Kinder einzelne Arbeitsschritte auch schon alleine ausführen. Die fertigen Nudeln mussten nun noch getrocknet und in Papiersäckchen eingewogen werden. Mit einem selbstgstaltetem Etikett versehen, wurden sie zu einem ganz besonderen Geschenk.
Für unsere Kinder war es ein ganz besonderes Erlebnis, ein Nahrungsmittel nicht einfach fertig im Geschäft zu kaufen. Das Überlegen, was wir zur Herstellung benötigen, das Spüren, Riechen und Schmecken der Zutaten hat großen Eindruck bei den Kindern hinterlassen. Und auch die praktische Arbeit, die uns manchmal zum Schwitzen gebracht hat, hat den Wert dieses Nahrungsmittels auch noch erhöht.
Um das Ganze noch abzurunden, besuchten wir mit unseren Kindern auch noch einen Bio-Bauernhof und schauten uns an, wie Freilandhühner leben, was sie fressen, wo sie ihre Eier legen usw.. Für einige Kinder war das eine ganz besondere Erfahrung, da sie noch nie auf einem Bauernhof waren und Tiere in diesem Umfeld erleben konnten.
Als krönenden Abschluss dieses Projektes konnte jede Familie einmal selbstgemachte Nudeln genießen. Für einige Kinder waren es die ersten Vollwertnudeln ihres Lebens, selbstgemacht haben sie natürlich ganz besonders gut geschmeckt!
Für uns Pädagoginnen und Betreuerinnen lag ein besonderer Mehrwert dieses Projektes aber auch darin, über die Kinder auch die Eltern zu erreichen. Bei einem Elternabend wurde das Thema gesunde Ernährung behandelt, wir konnten einen Artikel über die gesunde Jause und unser Hochbeet im Pfarrblatt veröffentlichen und die Eltern wurden immer wieder an der Elterntafel über Teile des Projektes informiert. Aber das Wichtigste ist, die Kinder sind nun richtige Ernährungsexperten, denen nicht nur der Genuss, sondern auch die Erzeugung von hochwertigen und nachhaltigen Lebensmitteln ein Anliegen ist.
Gabriele Fresner

Arbeitsgruppe
GERT EGGENBERGER Ernst Sandriesser

Mag. Ernst Sandriesser
Leiter Katholisches Bildungswerk "Bildungsplattform der Kath. Aktion"
Vorsitzender Diözesanrat "Forum Katholischer Erwachsenenbildung"
Referent: Referat für Schöpfungsverantwortung
Leiter der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

z.V.g. Petra Steinmair- Pösel

Mag.a Dr.in Petra Steinmair-Pösel,
Unversität Wien, Institut für Sozialethik
Mitglied der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

„Lösungen für die großen ökologischen Fragen der Gegenwart zu finden ist heute sowohl ein Gebot der Vernunft als auch der internationalen und intergenerationellen Gerechtigkeit. Klare und mutige Schritte sind notwendig - denn vielleicht mehr denn je gelten heute die Worte des engagierten Dichters Erich Fried: Wer will, dass die Welt so bleibt, wie sie ist, will nicht, dass sie bleibt.“

Elisabeth Bolius Heinz Hödl

Ing. Heinz Hödl
Geschäftsführer der Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz
für internationale Entwicklung und Mission
Mitglied der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

 

z.V.g. Michael Rosenberger

Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger
Institut für Moraltheologie, Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz
Mitglied der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

"Ich erwarte mir vom Zukunftsforum einen Schub für das konkrete Handeln der Kirche Österreichs im Dienst an Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Geredet wurde in den letzten Jahrzehnten viel - jetzt ist es höchste Zeit, vom Reden zum mutigen, engagierten Handeln zu kommen und ein Licht anzuzünden, das man dann auf den Leuchter stellen kann (Mt 5,15)."

Wifo Stephan Schulmeister

Mag. Dr. Stephan Schulmeister
Austrian Institute of Economic Research (WIFO)
Mitglied der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

 

Foto: Aleksandra Pawloff 2011 Christoph Schweifer

Christoph Schweifer
Generalsekretär Internationale Programme Caritas Österreich
Mitglied der Arbeitsgruppe "Ökologie & Globale Gerechtigkeit"

"845 Millionen Menschen leiden an Hunger. Alle 10 Sekunden stirbt ein Kind an Unterernährung. Es geht darum, Not und Ungerechtigkeit von ihren Ursachen her zu bekämpfen und darum, eine Gesellschaft anzustreben, in der Menschen füreinander Verantwortung übernehmen. Im Sinne dieser Solidarität bietet gerade das Zukunftsforum eine Plattform, um den so wichtigen Dialog zwischen allen gesellschaftlichen Kräften zu fördern und globale Zukunftsthemen wie Armut, Hunger oder Klimagerechtigkeit zu diskutieren."

Katholische Aktion
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